Dienstag, 13. Juni 2017

Katharina und der Jersey. Teil 1: meine erste Tasche

Hallo zusammen :)
Ich heiße euch herzlich Willkommen zu meiner kleinen Blogreihe "Katharina und der Jersey".
Worum geht's? Um Katharina - das bin ich - und um Jersey - das ist ein doofes, kringeliges, widerspenstiges Nähmaterial.
Wann und wie viele? In unregelmäßigen Abständen in voraussichtlich 5 Folgen.
Und warum überhaupt? Na, weil ich mein Kriegsbeil zu Jersey begraben will. Das Loch habe ich längst gegraben und eine Weile angeschaut. Jetzt muss das Beil da rein und das Loch wieder zu gemacht werden. Zu Deutsch: Ich habe ein Problem mit Jersey, dem ich mich stellen will. Angefangen mit der Annäherung habe ich zum jetzigen Zeitpunkt schon, fertig bin ich noch nicht. Ich nehme euch aber schonmal mit auf diesem Weg. Und womit fangen wir an? Natürlich damit, wie alles begann.

Es war vor über 4 Jahren. Damals, als ich mir eine Nähmaschine gekauft haben. (*hier* hatte ich neulich darüber berichtet). Taschen wollte ich nähen. Im Internet habe ich mir Stoffe ausgesucht, bestellt und dann ging es los. Ahnung hatte ich wenig bis gar keine und deshalb lag also ein Jersey vor mir. Er kringelte sich und war nicht zu bändigen. Also fast nicht, denn mein Wille, eine Tasche unter der Nähmaschine hervorzuziehen, war groß. Größer als die Jersey-Kringel. Und so habe ich auf meinen Jersey einen Baumwollstoff (Unifarben beige) appliziert.

Habt ihr alle mal gelacht?

Ja, ich gebe es zu, ich habe vollflächig Webware auf den Jersey gebügelt. Er war dann nicht mehr elastisch und hat sich auch nicht mehr gekringelt. Am Ende hatte ich eine kuschelige Tasche. OK, wenn man genau hin sieht, dann erkennt man, dass die Verschlussschlaufe am Knopf ganz schön schief daher kommt. Und ich weiß, dass die gerundeten Ecken rechts und links unten ganz heftig schief und schepp zusammen genäht sind. Da trifft keine Naht die andere und sie sind unterschiedlich groß und überhaupt sehen sie so gar nicht aus wie sie sollen. Aber hej: ich hatte gegen den Jersey gewonnen, eine Tasche genäht und war zufrieden. Mit der Tasche und mit mir. (Vorerst.)


Mit der Zeit wurde der Träger allerdings immer länger. Angenehm ist es nicht, wenn einem die Tasche mitsamt halbem Hausstand so in der Kniekehle rum hängt. Da habe ich den Träger ziemlich sehr unkonventionell gekürzt - siehe Foto oben. Kann man so machen - muss man nicht. Ich hab es trotzdem getan. Die Tasche habe ich übrigens immer noch. Sie ist so anschmiegsam wie keine andere und vielleicht werde ich sie noch ewig aufheben als Erinnerung an meine Nähanfänge.

Aus den Reststücken des Jerseys habe ich mir eine ganz einfache Handyhülle genäht. Ohne Baumwollgewebeverstärkung. Klein, futzelig, kringelig. Was hat die Maschine den Stoff gefressen. Das Handy hat irgendwie in diesen Überzieher hineingepasst und ich war mit dem Thema Jersey durch. Schluss. Aus. Finito. Taschen habe ich weiter genäht. Aus festen Stoffen. Baumwollgewebe, Jeans, Canvas, Kunstleder, Filz, ... alles wunderbar. Nur der Jersey, der war für mich gestorben.

Bis zum letzten Sommer. Da habe ich den nächsten Anlauf genommen und mich an einer Beanie-Mütze versucht. Wie (fürchterlich) das lief, könnt ihr *hier* nachlesen.


Das waren sie also, meine anfänglichen Versuche, mit Jersey zu nähen. Irgendwann hat mich dann irgendwas gepackt. Vermutlich waren es die vielen schönen Fotos von genähten Kleidungsstücken, die ich so täglich in diesem Internet konsumiere. Oder das Angebot des Bekleidungseinzelhandels, das mich ganz oft so gar nicht anspricht. Was ich dann gemacht habe, um meine Jerseyangst zu besiegen? Das erzähl ich euch beim nächsten Mal.

Bis dahin: Machts gut und besser!

Kommentare:

  1. Ach menno. Ich liebe Jersey, allerdings würde ich nie nie eine Tasche damit nähen. Ich nähe ausschließlich Kleidung damit. Und den größten Tel nähe ich mit der Overlock. Das geht prima. Und ja, ein wenig kringelt Jersey sich. Aber manche Jerseys auch weniger!

    Bin gespannt auf die Fortsetzung deiner Geschichte!
    Gruß Marion

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    1. Hallo Marion,
      vielen Dank für deine Kommentar. Heute würde ich auch keine Tasche mehr aus Jersey nähen. Damals musste ich halt so meine Erfahrungen machen. Mal schauen, ob ich die Kringel noch in den Griff bekomme. In der nächste Folge auf jeden Fall schonmal ein bisschen :)
      Liebe Grüße,
      Katharina

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  2. Ach danke!!! Ich finde es total erfrischend, wenn jemand mal ganz ehrlich auch von seinen Niederlagen berichtet- sonst scheint oft alles immer perfekt genäht, platziert, ordentlich, ausgeleuchtet, aufgeräumt... Aber so ist es ja im Leben nicht. Danke für deinen Mut!

    Jersey- ja... auch ich hatte da lange eine gestörte Beziehung zu ;) Webware bleibt da einfach gerade, glatt und exakt (wenn man genau zuschneidet...). Aber mittlerweile habe ich da keine Probleme mehr, ich nähe zwar immernoch lieber Webware, aber es entstehen auch viele Teile aus Jersey zwischendurch. Und genau, ich stimme meiner Vorkommentatorin zu, eine Overlock macht so vieles einfacher! Und schließlich "Alles ist schwer, bevor es leicht wird!"

    Ich bin gespannt, wie es weitergeht!

    Liebe Grüße!

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    1. Hallo Peggy,
      herzlichen Dank für deinen tollen Kommentar. Ganz ehrlich: wir haben doch alle mal klein angefangen. Meine Tasche ist vielleicht ein Beispiel dafür, wie man es nicht macht, aber sie ist eine Tasche. Und ich kann auch heute noch mit diesem "Mangelexemplar" :) vor die Tür gehen und natürlich auch auf den Blog. Das ist ja hier sowas wie mein Nähtagebuch und Projekt 1 gehört da auf jeden Fall mit rein.
      Mit dem Jersey werde ich mich bestimmt noch anfreunden. Ein Stück weit habe ich das auch schon getan (mehr in Folge 2). Im Moment ist es gerade mal wieder schwer, endlich anzufangen. Ich bin da kurz vorm nächsten Schritt. Aber ich bin optimistisch, ihn in den nächsten Tagen zu schaffen. Mehr gibt's dann ganz bald hier.
      Liebe Grüße,
      Katharina

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  3. Oh wie schön sowas von einer BLoggerin zu lesen, bei der für mich immer alles so exakt und so super passend aussieht. Hihi, ich habe zwar nicht versucht eine Tasche zu nähen, aber ich hatte NULL Ahnung warum der eine SToff so dehnbar ist und der andere nicht. Die ersten Nähte habe ich mit ein bisschen Baumwollbettwäsche gemacht und dann kam der Jersey ... SToff gefressen, zwei Stoffe waren plötzlich nicht mehr gleich lang, wo sie doch aufeinander passen sollten, am Ende sah es krumm und schief aus ... au weia ... das waren meine Anfänge ... bis ich dann nach und nach immer mehr herausfand, wie ich mit meiner Nähmaschine zurecht kam. Aber bis heute ärgern mich die Säume und vor allem Halsausschnitte immer wieder ... also wenn ich mit meinem bisschen "Wissen" mal helfen kann bitte schreien :-). Heute mache ich genau das was du mit der Tasche gemacht hast manchmal mit Absicht, einfach weil ich den SToff so schön und so kuschelig finde. Deine Tasche musst du unbedingt aufheben, denn auch wenn sie nähtechnisch nicht perfekt ist, so hat sie dich deinem Hobby nähergebracht, dich dabei bleiben lassen und ehrlich gesagt finde ich sie auch einfach total schön! Ich freue mich bald weiter zu lesen. Ingrid

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    1. Hallo Ingrid,
      es ist nicht immer alles so exakt, wie es aussieht ;) man kann die Dinge ja immer aus verschiedenen Richtungen betrachten und so kann man auch jedes genähte Teil aus verschiedenen Richtungen fotografieren. Der Patzer ist dann immer hinten oder das Nähwerk wird beim fotografieren einfach mal abgeschnitten. OK, bei der Jersey-Tasche war das dann nicht möglich, aber egal. Wir haben eben alle mal bei Null angefangen und uns mit der Zeit jede Menge Wissen angeeignet. Und dafür muss man halt manchmal auch Fehler machen. Einfach, um zu wissen, wie es nicht geht.
      Ein bisschen mehr Wissen zum Jersey habe ich mir mittlerweile schon angeeignet (ich bericht bald mehr) und ich bin auf einem guten Weg.
      Bis bald und liebe Grüße,
      Katharina

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  4. Liebe Katharina,
    ich habe aus Mangel an einem Baumwollstoff mit dem gewünschtem Motiv auch Taschen aus Jersey genäht...und bin zu dem gleichen Ergebnise gekommen...(es geht also nicht nur dir so)
    Die Tasche finde ich richtig toll...!

    Viele liebe Grüße die Nähbegeisterte

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    1. Hallo :)
      schön zu lesen, dass andere es auch versucht haben. Und es ist ja nicht so, dass es so überhaupt nicht geht :) nur ist es halt nicht optimal. Man braucht eine Jersey-Tasche aber auf jeden Fall im persönlichen Erfahrungsreichtung ;) das sollte jeder mal versucht haben *hihi*
      Liebe Grüße,
      Katharina

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  5. Sehr schön geschrieben. Ich glaube solche "Gegner" haben wir alle. ;o)
    Viele Grüße, Tina

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    1. Hallo Tina,
      herzlichen Dank. Und ja sicher: jeder hat so seine persönliche Herausforderung. Und das it ja auch voll ok, denn daran wachsen wir und entwickeln uns weiter.
      Liebe Grüße,
      Katharina

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  6. Du weißt ich stehe mit Baumwolle auf dem Kriegsfuß. Aber irgendwie muss man sich ja überwinden.
    Das mit dem Jersey bekommst Du sicherlich hin. Und dann dauert es nicht mehr lange und du nähst Kleidung.
    Viele Erfolg weiter!
    Ganz lieben Gruß
    Kati

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    1. Hallo Kati,
      das kann ich ja so gar nicht verstehen. BW ist so ein schönes Material! Ne, ne, ne.
      Das mit dem Jersey muss klappen :) Ich will das können. Bald mehr.
      Liebe Grüße,
      Katharina

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